…..und dann war da Gitta. Unsere Bergwanderführerin. So kompetent, so reich an Erfahrung – aber noch mehr: so tiefgründig, so spirituell, so wach für die feinen Dinge. Sie hat mich oft mitten ins Herz getroffen.

Gitta war etwas ganz Besonderes. Sie war stark, erfahren, konnte uns aber auch mit nur wenigen Sätzen ins Nachdenken bringen.

Jeden Morgen begann unser Tag mit einem Spruch. Und jedes Mal dachte ich: Das ist genau meiner. Zufall? . „Es gibt keine Zufälle“, hat Gitta immer gesagt. „Alles hat seine Bestimmung und seinen Sinn.“

Sie hat uns nie gehetzt. Sie hat uns Zeit gegeben. Immer wieder hat sie gesagt: Hört in euch hinein. Was ist gerade dran? Es ging nicht nur darum, den Berg zu schaffen, Kilometer und Höhenmeter zu machen. Sondern wirklich alles mitzunehmen: die Gruppe, die Gemeinschaft, das Lachen und die Tränen. Die Wärme der Sonne auf unserer Haut, den Duft der Wiesen, die Gewalt und Majestät der Berge.

Schon am ersten Tag hat sie uns barfuß durch einen eiskalten Bergfluss geführt. Es war ein kleiner Schock – und gleichzeitig so belebend. Dort sollten wir uns einen Stein suchen, der uns dann die ganze Woche begleitet. Ich weiß nicht, warum, aber als ich meinen Stein gefunden habe, war das gleich so, als hätte ich etwas, woran ich mich festhalten kann.

Wir sind manche Strecken schweigend gegangen. Nur atmen, gehen, spüren. Ich habe dabei viel an meinen Mann gedacht, daran, was wir alles gemeinsam erlebt haben, aber auch an das, was er jetzt verpasst. Und gleichzeitig habe ich gemerkt, wie sehr ich noch da bin, wie viel ich noch wahrnehmen kann: den Duft von Bergkräutern, das Summen der Insekten, die Sonne auf der Haut.

Irgendwann wurde mir klar, dass diese Wanderung genau so ist wie das Leben. Ich muss auf meine eigenen Schritte achten, darf nicht zu schnell, nicht zu langsam gehen. Manchmal muss ich vorausschauen, wo der Weg weitergeht, und manchmal einfach nur zurückblicken. Ich habe gelernt, stehen zu bleiben. Tief zu atmen. Zurückzuschauen und zu sehen, was ich schon alles geschafft habe – nicht nur hier, auf diesem Weg über die Alpen. Sondern in meinem Leben.

Und dazwischen: einfach stehen bleiben, durchatmen, genießen, was gerade ist.